Die Brände in Kalifornien haben sich in den vergangenen zehn Jahren zu wahren Albträumen entwickelt. Sie betreffen vor allem stark besiedelte Gebiete. Zwischen 2017 und 2018 wüteten tödliche und zerstörerische Brände an der Pazifikküste: Dutzende Menschen starben, Hunderte wurden vermisst und Tausende Häuser wurden in Asche verwandelt. Im Jahr 2019 wurde der Ausnahmezustand ausgerufen, weil wegen der Flammen mehr als 200.000 Menschen evakuiert werden mussten und fast 100.000 Hektar Land verbrannten. 2020 wurden erneut Rekorde gebrochen. Auch hier befeuert der Klimawandel die Lage: Untersuchungen zeigen, dass die Brände in Kalifornien aufgrund des Klimawandels um 500 Prozent stärker ausfallen.
Für das Amazonasbecken, das größte Regenwaldgebiet der Erde, in dem Waldbrände gezielt gelegt werden, um zum Beispiel neue landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Soja oder für die Viehbeweidung zu gewinnen, wird befürchtet, dass das regionale Klima ab einem bestimmten Umfang des Waldverlusts zusammenbrechen wird. Die dadurch entstehende Trockenheit verbunden mit weiteren Waldbränden wird die Degradierung des Regenwaldes weiter vorantreiben. Der AmazonasRegenwald würde sich vom Kohlenstoffspeicher zur Kohlenstoffquelle verwandeln. Bis zum Jahr 2030 könnten in Amazonien 55 Prozent des Regenwaldes vernichtet oder stark beschädigt sein.
In Deutschland ist besonders das Bundesland Brandenburg von Waldbränden betroffen, mit einem Schwerpunkt in den Kiefernwäldern südlich von Berlin. Diese besondere Waldbrandgefährdung erklärt sich aus den klimatischen Bedingungen: Brandenburg ist das regenärmste Bundesland. Charakteristisch sind dessen lockere Sandböden, die Niederschläge kaum speichern. Der hohe Kiefernanteil von 70 Prozent erhöht das Waldbrandrisiko zusätzlich. Kiefernwälder gelten als besonders brandanfällig, weil deren Hölzer reich an ätherischen Ölen und Harzen sind.
Kleinflächige Brände gibt es im Mittelmeerraum seit antiker Zeit. Sie sind Teil der natürlichen Dynamik oder werden als Instrument zur Bewirtschaftung der Naturressourcen eingesetzt. In den letzten Jahrzehnten haben Anzahl und Ausmaß der Brände besorgniserregend zugenommen. Jedes Jahr brennt es dort mindestens 50.000 Mal. Portugal ist das am stärksten von Bränden betroffene europäische Land. Dort gibt es im Jahresdurchschnitt etwa 17.000 Brände. Jedes Jahr verbrennen dort durchschnittlich 120.000 Hektar. Die Waldbrände sind fast ausschließlich – ob fahrlässig oder absichtlich – das Werk von Menschen. Immobilienspekulation und Baulandgewinnung, aber auch Jagd und Weidewirtschaft stehen in Zusammenhang mit vorsätzlich gelegten Waldbränden. Dazu kommen extreme Hitze und Trockenheit in den Sommermonaten und degradierte Wälder, in denen sich kleine Feuer rasend schnell verbreiten können.
In Nordamerika sind Waldbrände natürliche Phänomene, die regelmäßig stattfinden. Die Wälder im Westen der USA und die borealen Wälder Kanadas sind von periodisch auftretenden Waldbränden abhängig, um sich verjüngen zu können. Im letzten Jahrhundert stieg allerdings die Intensität der Brände in vielen Gebieten der westlichen USA dramatisch an und bedroht nun Menschen und Wildtiere in der Region. 2015 ging als eines der schlimmsten Waldbrandjahre in der Geschichte der USA ein. 4,1 Mio. ha verbrannten – die größte Waldbrandfläche seit Beginn der Aufzeichnungen.
2019 brannte es am Polarkreis über mehrere Breitengrade hinweg in einer Intensität und Dauer wie nie zuvor. Betroffen waren Sibirien, Alaska, Grönland und Kanada. Insgesamt wurden in der Arktis 5,5 Millionen Hektar verbrannt. Dies führte zur Emission von 182 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre, drei Mal so viel wie Schweden im Durchschnitt in einem Jahr emittiert. Die borealen Wälder sind eigentlich perfekt an das Feuer angepasst. Sie brennen regelmäßig seit Tausenden von Jahren. Außergewöhnlich ist jedoch, dass sich der Feuerzyklus beschleunigt hat. Es brennt immer häufiger, die Feuer werden immer größer und intensiver. Die Gründe dafür sind klar: Die Arktis erwärmt sich zwei Mal schneller als der Rest des Planeten. Der Frühling beginnt früher, die Sommer werden wärmer und dauern länger. All dies hat die häufig vermoorte Landschaft ausgetrocknet. Die Brände erwärmen zudem den Permafrostboden, der dadurch noch schneller auftaut. Darin gebundenes CO2 und Methan werden freigesetzt, was wiederum zu einer weiteren Erwärmung führt.
In Südostasien ist die Vegetation nicht von Natur aus an Feuer angepasst. Waldbrände haben hier immer zerstörerische Wirkung. Von jeher nutzen die Einheimischen Feuer beim Brandrodungsfeldbau, um mit der Asche die Felder mit kurzfristigem Effekt zu düngen. Bei geringer Bevölkerungsdichte bleibt dem Wald genügend Zeit, sich zu regenerieren. Jedoch wächst der Druck auf die Wälder der Region durch Bevölkerungswachstum und verstärkt durch große Industrien, die Flächen zum Anbau von billigen Rohstoffen wie Palmöl oder Zellstoffholz erwerben.
Innerhalb von vier Monaten verbrannten in Australien im vergangenen Jahr mehr als 12 Millionen Hektar, Zehntausende Menschen und mehr als 1,2 Milliarden Tiere starben. Zwar gab es in der Vergangenheit sogar noch größere Brände in Australien, das Außergewöhnliche an den jüngsten Feuern ist die Region, in der sie sich ereignet haben: Anstelle von Grasland und Savannen brannten Wälder in den gemäßigten Zonen, die nicht an Feuer gewöhnt sind. Australien erlebte 2019 ein ungewöhnlich warmes Jahr. Noch nie zuvor hatte das Land so hohe Temperaturen im Durchschnitt. Eine der am stärksten betroffenen Regionen, New South Wales, litt seit zwei Jahren unter einer anhaltenden Dürre und kämpfte seit vier Jahren mit sehr geringen Niederschlägen. Es waren Brände von sehr hoher Intensität, bei denen die Feuer Temperaturen von mehr als 1.000 Grad Celsius erreichten (normalerweise überschreiten sie nicht die 500-Grad-Marke). Von so hohen Temperaturen können sich die Wälder nur schwerlich wieder erholen.
Die Gründe für die weltweite Feuersbrunst sind vielfältig, allen voran steht die Dürre der letzten Jahre: Unser Planet steht zunehmend vor einem Wetternotstand, der ihn in die Flammen treibt. Mit verheerenden Folgen: Die Brände bedrohen Menschenleben und zerstören Lebensräume unzähliger Tier- und Pflanzenarten. Auch in Deutschland wüteten 2019 extreme Brände: Über 2.700 Hektar Wald gingen verloren und damit mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der vergangenen rund 30 Jahre.